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Wenn Eifeler sich nicht verstehen……..

30.05.2019

Autor: Ralf Kramp. Bildrechte: Regionalmarke Eifel.

….. so hat das meist einen ganz einfachen Grund: Der in der südlichen Eifel beheimatete moselfränkische Dialekt ähnelt eher dem Luxemburgischen, während der in der nördlichen Eifel gesprochene Dialekt als kleiner Bruder des Kölsch bezeichnet wird. Ich gebe es gerne zu: wenn der Südeifeler ins Platt verfällt, verstehe ich oft nur noch Bahnhof. Oder wie sie es sagen würden: Bis dou eppes bekäppt höss, laeft noch vill Waßa de Musel roof (Bis du was begriffen hast, läuft noch viel Wasser die Mosel runter). Denn dou bass mam Klammerbaidel gepudert. Was ungefähr dem „Du hess se nemmie all om Chrisboom“ in meiner Muttersprache entspricht.

Ich erinnere mich noch gut ein kurzes landwirtschaftliches Praktikum in Rengen nahe Daun. Ein in Blaumann und Gummistiefel steckender klein gewachsener Eifeler mit wachen listigen Augen wollte von mir wissen: „Ei, uw sann dann die Tuten?“ Ich hatte jedenfalls von Tuten und Blasen keine Ahnung und schaute ihn fragend an. Es stellte sich heraus, dass er lediglich wissen wollte, wo denn die Tüten, deren Inhalt er dringend benötigte, verblieben waren.

Nach dem Umzug von Bonn, wo ich 20 Jahre gelebt hatte, nach Sinzig musste ich die nächste Lektion in Sachen Eifeler Platt lernen. Die Region nennt sich Rhein-Ahr-Eifel, was niemand, der hier geboren ist, tun würde. Aber so steht es geschrieben. Und so sprechen sie hier auch. Wenn ich die ersten Jahre in die Kneipe ging und mich wie selbstverständlich mit den Ureinwohnern auf Platt unterhalten wollte, verfielen diese umgehend nach meinen ersten Sätzen ins Hochdeutsche. Zu fremd und uneifelerisch muss mein Platt sich für sie angehört haben. Im Lauf der Jahre habe ich meinen plattdeutschen Grund- und Aufbauwortschatz soweit assimiliert, dass sie nicht mehr automatisch ins Hochdeutsche wechseln, wenn ich den Mund aufmache.

Ich verlasse damit das Moselfränkische und widme mich meiner Heimatsprache. Kennt Ihr die folgenden Begriffe noch, die ich dem wunderbaren Buch “Von Abelong bos Zau dich Jong“ von Fritz Koenn entnommen habe. Das Buch ist auf den üblichen Plattformen noch gebraucht erhältlich. Vell Pläseer!

Ääz: Erbse(n). Gemeint sind sowohl die Hülsen (Hütsche/Hüdsche“) als auch die eigentlichen Früchte sowie das an „Ääzrieser“ rankende Buschwerk („Jelöf“). „Ääz und Muere“ (in Westum würde man „Murre“ sagen) gehören zu jeder besseren Sonn- und Feiertagsmahlzeit. „Ääzezupp“ ist ein allseits beliebter Eintopf. Ein „Ääzen-Och“ ist ein Hühnerauge. Ein „Ääzezeller“ ein Geizkragen, ähnlich dem „Fännigsvützer“. Ist jemand einer Sache „satt wie kalder Aerz“, so ist er ihrer ihnehin überdrüssig oder „kotzensatt“.

Abee: Früher meist freistehendes Plumpsklo mit Herzchen in der mit „nem vräde Wirvel“ versehenen Tür. Zur Winterszeit nur nach gewissem Abhärtungstraining empfohlen. Auch „Abtrett, Döppe, Hüsje, Drieshus, Lokus“.

Abelong: Lust, Appetit, „Bock“ auf etwas haben.

Äepel: Kartoffel, unbestrittenes Hauptnahrungsmittel einst und jetzt. Auch „Erdappel“ und „Jromper/Jromber“.

jitsche losse: Ordentlich loslegen oder mit erneuter Kraft weitermachen. Auch „jöcke losse, joon losse“.

Jott trües: Gern gebrauchter Zusatz hinter dem Namen eines Verstorbenen. „Joeden Anton, Jott trües, hät sich nu och ald zehn Johr jereis (ausgeruht)“.

Jott hällep üch!: Früher allgemein übliche Grußformel statt „Tach zesaame“ oder „noovend“. Besonders angebracht ist „Jott hällep üch“, wenn man kräftig arbeitenden Leuten „de Dahszegg säht“ und ihnen damit des lieben Gottes Hilfestellung wünscht. Die so Begrüßten antworteten mit einem ehrlichen „Jott dank üch!“.

Juckabimm: Schmiss, Elan.

kaakele, kookele: Gern gehörte Äußerung des Huhns, das soeben ein Ei gelegt hat. Steht aber auch für ausgelassenes Gekicher und Gelächter: „Hüer ens an, wattdie Vraulöck noch enz am kaakele senn!“.

Kaasch: Für die Bearbeitung des steinigen Eifelbodens wichtigstes Gerät: der Zweizahn.

Kabänes: Rheinische Umschreibung für ein kräftiges männliches Wesen: „Ne Kabänes va enem Käerel!“. Dieser Ausdruck wird ebenso angewendet auf „Baschtich deck unn jrueß Äepel, Knoore unn anger schwär Dönger“. Auch „Baches“ und „Kaventsmann“.

Kadangs: Ängstlicher Respekt vor Personen oder Furcht vor kommenden Ereignissen. Auch „Kamasche“.

kamälle: „Wäe jätt zu kamälle hät“, der ist der Chef.

Kamesool: Ursprünglich Tuchjacke mit stehendem Kragen und frackartiger Verlängerung. Der Ausdruck ist heute nur noch gebräuchlich im spaßigen Umgangston.

kamisööle: Verhauen.

Kässje: Aushangkasten im Dorf für amtliche Bekanntmachungen. „Ett Kässje“ hing meistens nahe der Kirche.

Käter: Kartenspieler. „Ett Jöttche“ wurde eindringlich von ihrer „Jött“ vor Fränz, einem besessenem „Kaatbroder“ gewarnt: „Hieroot jo keene Käter, Ännche! Dä kennt kee Jott und kee Jebott unn kaat dich ömm Hus unn Hoff!“

Kattejesm: Katechismus.

Kauch: Das Kochen allgemein. – Mit „Pastuesch Kauch“ oder einfach „dr Kauch“ ist der gute Geist des Pfarrhauses gemeint.

Kennwasser: „Wie ich die herzhaff Härrings-Schlaht do stoon sooch, kroch ich ett Kennwasser“ – da lief mir das Wasser im Mund zusammen.

Kess: Wörtlich: Kiste. In einigen Orten bezeichnet man damit auch den Sarg.

kirmesse: Das Hauptdorffest im Jahr ausgiebig feiern. „Veer Daach jekirmest, ene decke Kopp unn nix mieh em Pottemanee: dat hät mr nu drvan!“

Klöpp: Hiebe. „Klöpp krejje“ heißt verdroschen werden.

Kloppe: Anderer Name für das Kartenspiel „Sebbeschröm“.

Klütte: Briketts.

Kluuster: Vorhängeschloss an „dr Poerz van Stall unn Schür unn Schobbe“.

Knatsch und Tratsch: Ein einziges Dreckspektakel.

knatsch, knatschtich: Gerne gebrauchte betonende Beiwörter im Sinne von sehr, ganz, total, stark. Wenn es blöder nicht mehr geht, sagt man „knatsch verröck“. Total übergeschnappt wird mit „knatsch doll“ oder „raderdoll“ umschrieben. Vollkommen aus dem Häuschen wäre „knatschtich jeck“ und schwer besoffen „knatsch voll“.

Knöf: Wörtlich: Knöpfe. Hier: Augen („Ore“). „De Knöf zoodohn“ bedeutet sterben.

Knömmelche: Heimliches Verhältnis oder gar verbotene Liebe, jedenfalls immer ein dankbares „Traatsch“-Thema im Dorf. Auch „Festernöllche“.

So, nu han ich jenoch jeknostert* und losen meng Vottklöppele** vom Computer-Jedöns. Ich lossen dich för hök jewäede***! Nu wees de ett!

 

* knostere: „Erömm wirke“ in Haus und Hof, meistens ohne große Ergebnisse.

„Wat mäht Ohm Hännes dann esu dr janzen Dach?“ Antwort: „Oah, hä deht angesch nüs als wie dr Knoster halde.“

**Vottklöppele: Derb: Finger.

*** jewäede losse: in Ruhe lassen. Beliebter Ausspruch zum Abwimmeln lästiger Mitmenschen.

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