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Über bedrohte Wörter, versunkene Wortschätze und Worte, deren Bedeutung eigentlich ganz anders ist

20.05.2019

Rote Listen kennen wir. In Ihnen werden vom Aussterben bedrohte Tier- oder Pflanzenarten aufgenommen. Da finden wir vom Berggorilla bis hin zur Roten Liste der bedrohten Ameisen Hessen so ziemlich alles.

Aber wisst Ihr auch, dass viele Wörter vom Aussterben bedroht sind? In eine Rote Liste der vom Aussterben bedrohten Wörter sind viele Begriffe, die wir vermutlich noch kennen, unsere Enkel aber nicht mehr.

Denn sie werden kaum mehr benutzt und von anderen Worten verdrängt. Bedrohte Wörter sind daran zuerkennen, dass sie heute merkwürdig und irgendwie lustig klingen wie zum Beispiel der „Blümchenkaffee“, der sehr dünn geratene Kaffee, bei dem man noch das am Grund der Kaffeetasse aufgemalte Blümchen gut erkennen kann.

Aber wie verschwinden Wörter?

Manche Wörter geraten in Vergessenheit, weil sie veraltete Dinge bezeichnen wie zum Beispiel „Bandsalat“ oder „Wählscheibe“.

Oft verdrängen auch neuere Begriffe die alten Bezeichnungen. So wurde der „Hagestolz“ zum „Single“ und das elegante „Gabelfrühstück“  heißt heute ganz schlicht „Brunch“.

Manchmal werden auch altmodische Wörter einfach durch die Umgangssprache verändert: zum Beispiel „Funzen“ für „Funktionieren“.

Außerdem werden Wörter verdrängt, weil sie einfach niemand mehr sagt. Sie gelten als altbacken: Wer sagt noch: kommod, Pfingstochse oder Hasenbrot?

Die versunkenen Wortschätze laden ein zum Eintauchen in eine versunkene Welt – zum Erinnern und Schmunzeln!

Erinnert Ihr Euch noch an folgende Wortschätzchen?

Der Affenzahn ist ein Jugendwort aus den 70er- und 80er-Jahren und bezeichnet eine „hohe Geschwindigkeit“ (meist im Straßenverkehr). Als „affenartig“ bezeichnete man schnelle Bewegungen schon im Mittelalter, der „Zahn“ geht auf einen Zahnkranz am Gashebel der früheren Automobile zurück.

Eine Bedürfnisanstalt ist nichts weiter als eine öffentliche Toilette. Klingt bloß schöner! Der Begriff bezeichnete im 19. und 20. Jahrhundert die Räumlichkeiten, in denen die Menschen ihre „Notdurft verrichteten“ – was ja leider ebenfalls ein aussterbender Begriff ist.

Dufte war in den wilden 70ern das Synonym für schön, toll oder auch „mega“. Ungezwungene Typen mit lässiger Schlaghose und zu engem T-Shirt bezeichneten damit alles, was ihnen gefiel. Dabei machten sie keinen Unterschied zwischen dem neuesten VW-Modell (dufter Käfer) und dem Mädchen aus der Nachbarschaft (dufte Biene).

Die Pomade war von den Dreißigerjahren bis gegen Ende der Fünfzigerjahre das Pflegeprodukt für den modernen Mann. Mithilfe des pflegenden Fettes konnten auch widerspenstige Haare in die gewünschte Form gebracht werden. Dazu kam der perfekte Glanz, der den Männern ein vornehmes, aber auch etwas gigolohaftes Aussehen verlieh. In Zeiten von Flower-Power wurde Pomade bloß noch von Spießern benutzt, der Rest trug die Mähne wild.

Hackepeter war die umgangssprachliche Bezeichnung für fertig gewürztes Schweinehack, das auf einem Brot gegessen wird. Das mit Zwiebeln, Salz und Pfeffer gewürzte Hackfleisch wurde  im rohen Zustand verzehrt. In den 50er-Jahren entwickelte sich eine ganz eigene Form der Verarbeitung von Hackepeter: der Mett-Igel, der bei Privatparties nicht fehlen durfte.

Mit Hahnrei bezeichnete man zuerst kastrierte Hähne und seit dem Hochmittelalter auch betrogene Ehemänner.

Ein feiner Pinkel ist ein Schnösel oder Snob: Jemand, der sich für etwas Besseres hält. Der Begriff kommt von „pinkeln“, was die negative und abwertende Haltung des Bezeichneten zum Ausdruck bringen soll.

Die Lümmeltüte (auch: Präservativ) stammt aus der Zeit, als das Kondom noch kein absolut gesellschaftsfähiger Hygieneartikel war und stammt wahrscheinlich aus der Zeit des Ersten Weltkriegs.

Dem Wort Schwofen begegnet man heute bloß noch in Seniorenheimen. Vor 100 Jahren aber tauchte es in lebensfrohen Studentenkreisen auf und wurde bald zur umgangssprachlichen Bezeichnung für öffentliche Tanzabende.

Wenn Oma Negerkuss sagt, meint sie das nicht rassistisch. Sie kann sich einfach nicht merken, dass die mit Schokolade überzogene gezuckerte Eiweißschaumkugeln heute aus Gründen der politischen Korrektheit „Schokoküsse“ genannt werden.

Gummitwist, Hüpfen mit einem Gummiseil, war ein beliebtes Kinderspiel auf den Schulhöfen. In diesem Fall starb das Wort vor der eigentlichen Tätigkeit aus. Denn obwohl man schon lange nicht mehr vom „Gummitwist“ sprach, wurde er auf den meisten Schulhöfen in der Pause noch gerne und ausgiebig praktiziert.

Ausbund: „Sie ist ein Ausbund an Höflichkeit“ – also geradezu ein vorbildlich höflicher Mensch. Während uns eine solche Formulierung, die das Wort Ausbund im übertragenen Sinne verwendet, durchaus geläufig ist, ist eine andere Bedeutung des Ausbunds völlig verblasst:

Der Ausbund war in der Sprache der Kaufleute seit dem 16. Jahrhundert das, was zu Werbezwecken „nach außen“ gebunden, also sichtbar war – im Unterschied zum Verpackten, Eingebundenem: ein Warenmuster zur Anschauung für potenzielle Kunden. Und selbstverständlich war der Ausbund ein mustergültiges Beispiel ohne Fehl und Tadel – gewissermaßen ein Ausbund an Qualität.

 

Der umgangssprachliche Ausdruck blümerant für „schwach“, „schwindelig“ bedeutet eigentlich „blassblau“ und kommt aus dem Französischen. Es ist die Verballhornung von bleu mourant „sterbensblau“ (bleu „blau“ + mourir „sterben“). Ursprünglich wurde also jemandem, dem es schwindelig wurde, nicht schwarz, sondern blau vor Augen.

 

In den Zeiten der Drahtnachrichten –des klassischen Telegramms- war an schnurlose Telefone, an Handys oder Smartphones nicht zu denken, ganz zu Schweigen von E-Mails, Facebook, Twitter oder Whatsapp. Damals übermittelte man dringende Informationen wie zum Beispiel Reisedaten, Nachrichten über Geburt und Tode telefonisch ans Postamt, von wo sie per Fernschreiber an das Postamt der Empfängeradresse und dann in Form eines Kurzbriefes per Eilbote direkt an den Adressaten überstellt wurden.

Weil jeder Buchstabe extra kostete, bediente man sich des typischen knappen Telegrammstils („Ankomme Freitag den 13. um 14 Uhr Christine“). Um Missverständnisse zu vermeiden, buchstabierte man theoretisch mit Hilfe von Buchstabiertafel und praktisch mit freier Fantasie („a wie Anton, n wie Nordpol, k wie Krake…“ Drahtnachrichten gibt es heute nicht mehr, wohl aber noch sogenannte Telegramme. Sie werden weiter per Bote ausgehändigt, allerdingst längst online aufgegeben.

 

Das Adjektiv englisch bezeichnet nicht nur die Sprache und Lebenswelt der Engländer. sondern -in einer sehr viel seltener verwendeten Bedeutung- auch alles, was mit Engeln in Verbindung steht: Der Englische Gruß beispielsweise ist Teil des Ave-Maria: „Sei gegrüßt, Du Begnadete!“, spricht der Engel Gabriel nach Lukas 1,28 die Jungfrau Maria an, um sie anschließend von ihrer baldigen Schwangerschaft zu unterrichten. Und Goethe lässt den Ich-Erzähler in seiner „Neuen Melusine“ (aus dem „Wilhelm Meister“) verzückt ausrufen: „Englisches, unwiderstehliches Wesen!“

 

Eigentlich ist es noch gar nicht lange her, da durften Frauen in Deutschland nicht ohne Weiteres studieren (bis um 1900), ohne Zustimmung ihrer Ehemänner keine bezahlte Arbeit annehmen (bis 1977) und kein eigenes Konto eröffnen (bis 1962). Über Jahrhunderte aber durften sie, sofern sie unverheiratet waren, durchaus als Fräulein angesprochen werden. Diese Verkleinerungsform des Wortes „Frau“ war zunächst sogar nur ledigen Frauen von Stand, also aus dem Adel, vorbehalten. Erst seit dem späten 18. Jahrhundert wurde „Fräulein“ nach und nach auch für bürgerliche Frauen verwendet, die das zunächst als Errungenschaft empfunden haben mögen. Mit der Frauenbewegung mischte sich in den einst so vornehmen Klang das Despektierliche, Herablassende. Seit den 1950er-Jahren verbaten es sich vor allem berufstätige Frauen zunehmend, als Fräulein angesprochen zu werden. Spätestens nachdem das „Fräulein“ 1972 offiziell aus dem Sprachgebrauch der Behörden getilgt worden war, verschwand es auch aus dem aktiven Wortschatz der Deutschen.

 

Lässt sich an die Herrenbekanntschaft denken ohne einen (schwarzen) Anzug, ein weißes Hemd, eine lange und schmale Krawatte, eine vordergründig ehrerbietige, aber zugleich auch etwas gönnerhafte Haltung mit leicht nach vorn geneigtem Oberkörper und nach hinten gestrecktem, linken Arm mit dem Hut in der Hand und auf den Lippen ein formvollendetes „Ich freue mich, Sie zu treffen Fräulein Meier!“ Lässt sich an die Herrenbekanntschaft denken ohne den Tanztee, den Piccolo, den Knicks, den Handkuss, die Eheanbahnung? Kaum. Aber auch nicht ohne die peinliche Verlegenheit der Damenwahl und nicht ohne das Verbot des Damenbesuchs nach 22 Uhr.

Im Paradekissen steckt das spanische Wort „parada“ mit seiner Bedeutung „Stillstehen, Aufmarsch“ sowie, daraus abgeleitet, das französische Verb „parer“ im Sinne von schmücken, das schließlich ins Deutsche gelangte: Das Paradekissen war ein großes, pralles und prächtiges Kissen mit rein dekorativer Funktion, das tagsüber das Ehebett schmückte.

Das Stelldichein bezeichnet wesentlich mehr als eine Verabredung: Es ist das heimliche treffen von zwei Verliebten.

Und dann gibt es noch Worte, deren Bedeutung eigentlich ganz anders ist!

Wer bei Busen an Brüste denkt, liegt nicht ganz falsch – aber mit Busen ist eigentlich der Bereich zwischen den beiden Brüsten gemeint: das Dekolleté! Der medizinische Begriff aus dem Lateinischen lautet Sinus Mammarum – frei übersetzt also „Biegung der Brüste“. Das ist so ähnlich wie die Verwechslung von Beule und Delle.

Die ersten Olympischen Spiele der Neuzeit fanden 1896 in Athen statt. Spricht heute jemand über die Olympiade, ist es allgemeiner Konsens, dass von den Spielen selbst die Rede ist. Dabei bezeichnet der aus dem Griechischen stammende Begriff Olympiade der Zeitraum von vier Jahren zwischen den Olympischen Spielen – also genau die Zeit, in der die Veranstaltung gerade nicht stattfindet. Aber wir können beruhigt sein: Auch der Ottonormalgrieche (nicht zu verwechseln mit Otto Rehhagel, der 2004 mit Griechenland Fußball Europameister wurde) verwendet das Wort Olympiade für die Spiele!

Ein Schelm, wer bei Puff an Sex denkt: Das Wort Puff ist eigentlich ein Spielbegriff des altertümlichen Backgammon-Spiels. Das Fallen der Würfel wurde als „Puff“ bezeichnet. Und da sich manche Herrschaften früher offenbar gern im Freudenhaus zum Spielen trafen, entstand die Wortwendung: zum Puff gehen!

Von wegen „Guten Rutsch ins neue Jahr!“ – das Wort Rutsch kommt aus dem Jiddischen und bedeutet nichts anderes als Anfang. Beim jüdischen Neujahrsfest Rosch ha-Schana wünscht man sich „Gut Rosch“, also „Gutes neues Jahr“. Mit Rutschen hat der eingedeutschte Gruß also nichts zu tun!

Der Ausruf Kokolores wird oft verwendet, wenn jemand ohne Ende Unsinn redet. Kein Wunder: Angeblich wurde der Begriff Kokolores für Leute im Berlin der 1930er-Jahre verwendet, die unter dem Einfluss von Kokain pausenlos Unsinn von sich gaben. Abgeleitet wird das Wort Kokolores vermutlich vom mitteldeutschen gokeler, also Gaukler.

„Johanna, du Luder! Geboren um Liebe zu geben!“ So schallt es durch deutsche Bierzelte und Schlagerparties. Doch das Wort Luder stammt eigentlich aus dem Jagd-Jargon: ein bereits getötetes Tier, welches andere Tiere anlocken soll. Das Luder wird unter Geäst versteckt, damit die angelockten Tiere möglichst viel Zeit am Luderplatz verbringen und somit leichtere Beute für die Jäger werden.

Hochmut kommt vor dem Fall“ lautet das berühmte Sprichwort. Weit gefehlt! Obwohl das Wort Hochmut in der deutschen Sprache einen negativen Beigeschmack hat, bedeutete es früher genau das Gegenteil! Damals stand Hochmut nämlich für eine „edle Gesinnung“.

Fußball auf der Großleinwand schauen? Von wegen. In vielen englischsprachigen Ländern bezeichnet der Begriff Public Viewing das öffentliche Aufbahren eines Toten. Wer also seine Freunde aus Großbritannien oder den USA bei der nächsten WM freudig zum Public Viewing einlädt, sollte sich über befremdete Reaktionen nicht wundern.

Das kann doch kein Schwein lesen!“ – damit ist aber keineswegs das Tier gemeint, sondern eine norddeutsche Familie namens Swyn. Diese gegen Ende des 15. Jahrhunderts lebende Familie beherrschte – was damals sehr selten war – das Lesen und Schreiben. Also halfen sie einfachen Leuten oft beim Lesen von Texten. Die Redewendung bedeutete also ursprünglich in etwa: „Das wurde mit so einer Sauklaue (!) geschrieben, das können ja nicht mal die Swyns entziffern.“ Aus Swyn wurde im Laufe der Zeit Schwein.

Der Ausdruck Vögeln steht als vulgärer Begriff für den Geschlechtsakt. Im Mittelalter war das ein wenig anders: Damen höheren Ranges stellten ihre Vogelkäfige ins Fenster, um ihren Liebhabern ein Willkommens-Zeichen zu setzen. „Zu den Vögeln gehen“ entwickelte sich im Sprachgebrauch schließlich zu „vögeln gehen“. Ne wees de ett!

 

Ihr seht, Sprache verändert sich. Und das schon immer und überall auf der Welt. Widerstand gegen den Wandel ist aussichtslos. Gebrauchen wir die Sprache so, dass wir Freude daran haben. Und vor allen Dingen: Lassen wir die Dialekte nicht in Vergessenheit geraten! Mehr zum Eifeler Platt gibt es im nächsten Blogbeitrag! Bis dahin: Maht ett joht!

 

 

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